Die Rebsorten der Schweiz
Auf nur 15'000 Hektaren produzieren die Schweizer Winzer eine bemerkenswerte Vielfalt. Neben den Klassikern Chasselas, Blauburgunder oder Gamay warten einige Duzend unterschiedlicher Rebsorten darauf, entdeckt zu werden. Eigenständige und typische Spezialitäten, die das Vinatura Label verdienen. Gewürztraminer, Aligoté oder Merlot sind nur einige der unzähligen Sorten, welche von innovativen und leidenschaftlichen Winzern gepflegt werden – für Sie! Nicht zu vergessen die spannenden Assemblagen aus verschiedenen Sorten, von erfinderischen und kompetenten Weinmachern kreiert.
Weisse Rebsorten / Rote Rebsorten
Blauburgunder (Pinot noir)
Der Blauburgunder wurde möglicherweise schon zur Römerzeit selektioniert und kultiviert. Das Renommee der grossen Burgunder Terroirs hat die Ausbreitung dieser Sorte in den Weinregionen der ganzen Welt natürlich stark gefördert. In der Schweiz wächst er ebenfalls fast in allen Gegenden (Dreiseen: 404 ha, Deutschschweiz: 1692 ha, GE: 129 ha, VS: 1780 ha, VD: 513 ha). Die Weine aus der Blauburgundertraube zeichnen sich durch eine eher schwache Farbe, feine und rassige Aromen von roten Früchten und einen gut strukturierten Körper aus. Als Rosé oder Weisswein heisst der Pinot noir in Neuenburg OEil-de-Perdrix beziehungsweise Perdrix blanche. Oft wird Blauburgunder mit Gamay assembliert, dann heisst er im Wallis Dôle und im Kanton Waadt Salvagnin.
Bondola
Die lokale Tessiner Rebsorte Bondola war vor der Einführung des Merlot im ganzen Kanton verbreitet, wurde dann aber seit Beginn des 20. Jahrhunderts stetig zurückgedrängt, sodass heute nur noch 15 ha , alle im Sopraceneri gelegen, mit ihr bestockt sind. Diese Varietät der zweiten Reifeepoche ist anfällig auf Fäulnis und ergibt rustikale, farbkräftige Weine mit typischen Kirschenaromen.
Cabernet franc
Die aus dem Bordeaux stammende Rebsorte wird auf der ganzen Welt angebaut. Oft wird sie zusammen mit anderen Sorten (vor allem mit Merlot und Cabernet Sauvignon) als Assemblage gekeltert. In der Schweiz ist die Rebsorte seit den 90er Jahren in allen Sprachregionen vertreten (mit ca. 40 Hektaren).
Die Rebsorte wird für ihre weichen Gerbstoffe und ihren fruchtigen Charakter geschätzt. Je nach Terroir sind Himbeer-, Veilchen- oder Cassisnoten dominierend. Die eher spät reifende Sorte benötigt jedoch eine gute Ausreifung, sonst passiert es, dass Noten von grüner Paprika dominieren.Die Sorte zeichnet sich durch ein mittleres Potenzial ihres Zucker-, Säure- und Polyphenolgehaltes aus (Farbintensität und Gerbstoffstruktur).
Cabernet Sauvignon
Der Cabernet Sauvignon ist die Spitzen-Rebsorte aus dem Bordeaux und die am meisten gekelterte Traubensorte der Welt. In der Schweiz wird der Cabernet Sauvignon schon seit den 70er Jahren angebaut, wenn auch die Mengen zu Beginn eher bescheiden waren. Heute bedeckt er ungefähr 53 Hektaren in allen drei Sprachregionen der Schweiz. Unkompliziert im Anbau, mit einem eher späten Austrieb ist er durch Frühjahrsfröste wenig gefährdet, und - abgesehen vom echten Mehltau – reagiert die Sorte eher unempfindlich auf die verschiedenen Pilzkrankheiten.
Als sehr spätreife Sorte bringt der Cabernet Sauvignon Weine mit sehr interessanter Gerbstoffstruktur und mit schön reifender Farbe hervor. Er eignet sich im Allgemeinen gut zur Lagerung, und die häufig praktizierte Reifung im Holzfass ermöglicht den komplexen Aromen eine sortentypische Entwicklung. Bei ungenügender Reife können grünlich, krautige Aromen dominieren.
Der Cabernet Sauvignon wird selten allein gekeltert. In gelungenen Verbindungen mit anderen Rebsorten gewinnt er an Weichheit und Körper.
Carminoir
Der Carminoir wurde 1982 an der Eidgenössischen Forschungsanstalt von Changins aus einer Kreuzung von Pinot noir und Cabernet Sauvignon gezüchtet. Er wird auf kleinen Flächen im Tessin (2 ha) und im Wallis (3 ha) gepflegt. Der Carminoir reift spät, zur gleichen Zeit wie sein Vater, der Cabernet Sauvignon, produziert regelmässig und ist wenig sensibel auf Fäulnis. Die aus ihm gekelterten Weine gefallen mit komplexem Bouquet (fruchtige und würzige Noten), kräftiger Farbe und guter Struktur.
Cornalin
Der sehr wahrscheinlich aus der alpinen Zone stammende Cornalin, im Wallis früher Alter Landroter genannt, wird ausschliesslich im Wallis und im angrenzenden, aber zu Italien gehörenden Aostatal angebaut. Er reift spät (in der dritten Epoche), produziert unregelmässig und ist sehr empfindlich auf Fäulnis und Magnesiummangel (vorzeitiges Rotwerden der Blätter). Aus diesen Gründen wurde er zunehmend aufgegeben, erlebt jetzt aber einen neuen Aufschwung. In den letzten zehn Jahren hat sich seine Anbaufläche im Wallis verdreifacht, 2005 erreichte sie 79 ha. Wenn sein Ertrag streng gezügelt wird, dann bringt der Cornalin konzentrierte, rustikale Weine hervor, die mit wilden, würzigen Noten bestechen.
Diolinoir
Der Diolinoir ist eine interspezifische Sorte, die an der Eidgenössischen Forschungsanstalt von Changins aus einer Kreuzung zwischen Robin noir (auch Rouge de Diolly genannt) und Pinot noir gezüchtet wurde. Er zeigt sich widerstandsfähig gegen alle Krankheiten und Parasiten unserer Weinberge. Der Diolinoir ist eine Sorte der ersten Reifeepoche und wird in verschiedenen Schweizer Regionen angebaut (VS: 60 ha, VD: 4 ha, Deutschschweiz: 10 ha, TI: 2 ha und Dreiseen: 1 ha). Die aus ihm gekelterten Weine sind reich an Farbstoffen und Tanninen, aber eher neutral. Die Sorte wird deshalb häufig für Assemblagen verwendet, beispielsweise für den Walliser Dôle.
Gamaret
Der Gamaret wurde 1970 an der Eidgenössischen Forschungsanstalt von Changins gezüchtet, und zwar als Kreuzung zwischen Gamay und der deutschen Weissweinsorte Reichensteiner. Er ist der Bruder des Garanoir. Man findet ihn heute in allen Weinregionen der Westschweiz (GE: 108ha, VS: 54 ha, VD: 81 ha, Dreiseen: 10 ha ) und des Tessins (17 ha ). Er reift zur gleichen Zeit wie der Blauburgunder, widersteht aber im Gegensatz zu diesem glänzend den Angriffen der Fäulnis. Er kann deshalb im Rebberg warten bis zur vollen Reife und ergibt dann sehr farbkräftige Weine mit präsenter Tanninstruktur und würzigen Aromen. Eigentlich als Sorte für den Verschnitt mit einheimischen Weinen gedacht, zeigt der Gamaret auch allein und im Holz vinifiziert sehr schöne Resultate.
Gamay
Der schon von den Kelten kultivierte Gamay stammt vermutlich aus dem Burgund. In der Westschweiz belegt er einen wichtigen Platz (VS: 823 ha, VD: 481 ha und GE: 398 ha; in Genf übertrifft er gar den Chasselas). Der Gamay gehört zu den früh reifenden Varietäten und ist anfällig auf Pilzkrankheiten. Da er zum Überborden neigt, muss sein Ertrag streng reduziert werden, wenn man Qualitätsweine erhalten will. Stimmen Terroir und Ertrag, kann er durchaus kraftvolle, würzige Weine ergeben. Oft wird der Gamay auch als Rosé vinifiziert, reinsortig oder in Assemblagen (Dôle blanche).
Garanoir
Der Garanoir wurde wie der Gamaret aus einer Kreuzung von Gamay und Reichensteiner 1979 an der Eidgenössischen Forschungsanstalt gezüchtet. Er wird in der ganzen Schweiz mit Ausnahme des Tessins angebaut (VD: 70 ha, VS: 13 ha, GE: 34 ha, Deutschschweiz: 24 ha). Seine Anbaufläche hat sich in den letzten Jahren stark ausgedehnt. Er reift früh und ist widerstandsfähig gegenüber Angriffen der Fäulnis. Studien in Changins haben aufgezeigt, dass es sich empfiehlt, den Garanoir im Rebberg zu «vergessen» und seine physiologische Reife überschreiten zu lassen. Allerdings muss man ihn dann vor den Vögeln schützen, die seine süssen und saftigen Beeren ebenfalls zu schätzen scheinen. Die Weine sind säurearm und besitzen präsente, aber samtig weiche Tannine. Der Garanoir wird oft in Assemblagen verwendet, aber auch reinsortig vinifiziert.
Humagne rouge
Die Humagne rouge, deren Herkunft noch nicht ganz klar ist, wird nur im Wallis (100 ha) und im Aostatal, wo sie den Namen Cornalin d’Aoste trägt, kultiviert. Die spät reifende Sorte der dritten Epoche gedeiht nur auf allerbesten Lagen des rechten Rhoneufers. Die Trauben sind gross, kompakt und von bläulicher Farbe; der aus ihnen gepresste Saft ist eher farbarm und besitzt wenig Säure. Bei perfekter Reife bestechen die Weine durch ihren ausgeprägten, wilden Charakter, der sie zu idealen Begleitern von Wildgerichten macht. Die Humagne rouge ist übrigens genetisch nicht im Entferntesten mit der Humagne blanche verwandt.
Merlot
Die typische Bordelaiser Sorte Merlot ist fast die exklusive Traubensorte des Kantons Tessin, wo sie 81% der bepflanzten Rebfläche einnimmt. Man findet den Merlot auch im Wallis (38 ha), in Genf (33ha) und auf kleinen Flächen im Kanton Waadt. Er reagiert sensibel auf Frühlingsfrost und auf Graufäule, was bei nassem Herbstwetter im Süden der Alpen zu Problemen führen kann. Die aus Merlot gekelterten Weine sind fruchtig und gefallen mit einem schönen Rubinrot. Manchmal, wenn die Trauben nicht vollständig ausreifen konnten, findet man vegetabile, grünliche Noten im Merlot. Im Tessin wird er direkt abgepresst oder kurz eingemaischt auch als Weisswein und als Rosé vinifiziert. Dann heisst er Bianco di Merlot beziehungsweise Rosato di Merlot.
Plant Robert
Genetische Untersuchungen haben gezeigt, dass der Plant Robert keine eigene Rebsorte ist, sondern eine qualitativ hoch stehende Selektion der Sorte Gamay. Kultiviert wird sie exklusiv in der Waadtländer Region Lavaux in den Gemeinden Cully und Epesses. Die Weine kommen unter verschiedenen Namen auf den Markt (Plant Robaz, Plant Rebez), gehen aber alle auf eine Selektion zurück, die ein lokaler Winzer in den Sechzigerjahren vorgenommen hat. Die Weine sind in der Regel lebhaft, fruchtig und geprägt von Aromen schwarzer Beeren und einer leichten Gewürznote. Vor einigen Jahren haben die Winzer die Bezeichnung Plant Robert schützen lassen und sich auf ein strenges Pflichtenheft geeinigt.
Servagnin
Der Servagnin ist ebenfalls keine eigenständige Rebsorte, sondern eine Selektion des Pinot noir, die bereits seit dem 15. Jahrhundert in der Waadtländer Region Morges verwurzelt sein soll. Der unregelmässig produzierende und krankheitsanfällige Servagnin wurde zugunsten des Gamay aufgegeben, bis sich eine Gruppe von Winzern dazu entschloss, diese lokale Varietät zu rehabilitieren. Mittlerweile ist der Servagnin eine geschützte Marke, welche die ampelografische und geografische Herkunft sowie An- und Ausbau des fertigen Produktes regelt und garantiert.
Syrah
Die Syrah ist die rote Hauptsorte der französischen Appellationen in den nördlichen Côtes du Rhône (Côte Rôtie, Hermitage…). Sie wurde bereits 1926 ins Wallis eingeführt und hat sich seither in der ganzen Schweiz verbreitet (VS: 132 ha, TI: 3 ha, GE: 5 ha, VD: 4 ha). Diese Rebsorte reagiert höchst empfindlich auf das Verrieseln (Verkümmern eines Teils der künftigen Beeren) bei ungünstigen Wetterverhältnissen während der Blüte. Die aus Syrah gekelterten Weine sind farbkräftig, gut gebaut und erkennbar an ihrer charakteristischen pfeffrigen Gewürznote.